Pädine Modul 3

Pädine Modul 3

Antibiotic Stewardship in der Pädiatrie ambulant

Was bedeutet Antibiotic Stewardship

Die rasche und besorgniserregende Zunahme von Antibiotikaresistenzen ist im Wesentlichen auf den breiten und häufig unkritischen Einsatz von Antibiotika zurückzuführen. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass 30 - 50% der Antibiotikagaben klinisch nicht gerechtfertigt sind. Deshalb wurden in den letzten Jahren Strategien zum rationalen Einsatz von Antibiotika entwickelt, die als Antibiotic Stewardship (ABS) bezeichnet werden. Bei Früh- und Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen sowie auch bei jungen Erwachsenen mit chronischen Grundkrankheiten (z.B Mukoviszidose), die in der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendmedizin behandelt werden, gibt es in Bezug auf den rationalen Einsatz von Antibiotika ein Vielzahl an Besonderheiten, die spezielle pädiatrisch-infektiologische Kenntnisse und pädiatrisch-klinische Expertise erfordern.

Primäres Ziel des Antibiotic Stewardship (ABS) ist es, unseren Patienten – nach einer gezielten mikrobiologischen Diagnostik – die bestmögliche antimikrobielle Behandlung für ihre akute oder chronisch verlaufende Infektionskrankheit anzubieten. Ein ebenso wichtiges Ziel ist es, eine antimikrobielle Behandlung zu vermeiden bzw. zu beenden, wenn diese nicht (mehr) erforderlich ist. Wesentlicher Beweggrund für einen rationalen und zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika im Sinne des ABS ist der Schutz unserer Patienten vor

  • unnötigen, nicht indizierten Antibiotikaanwendungen und deren unerwünschten Wirkungen, wie z.B. Antibiotika-assoziierte Diarrhoe, Arzneimittelexantheme, Störungen Organfunktion.
  • der Selektion von Infektionserregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen.
  • einer inadäquaten Antibiotikatherapie, die für die jeweilige Infektionskrankheit und deren Erregerspektrum nicht angemessen ist.
  • Fehlern in der Dosierung und beim Verabreichungsschema oder unerwünschten Interaktionen mit anderen Arzneimitteln.
  • einer zu langen Behandlungsdauer.

In der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) gibt es eine eigene Arbeitsgruppe Antibiotic Stewardship.

Fortbildungsangebot zum ABS-beauftragten Arzt in der Pädiatrie

Das vordringlichste Ziel der Arbeitsgruppe ABS in der Pädiatrie ist es, einen Basiskurs zum ABS-beauftragten Arzt [1] zu etablieren, der die Kriterien des am 16.2.2016 veröffentlichten Curriculums der Bundesärztekammer erfüllt und für den Bereich der Pädiatrie unter der Schirmherrschaft der DGPI durchgeführt wird.

Das dabei erworbene Zertifikat ABS-beauftragten Arzt soll (nach Prüfung des Kurskonzeptes) auch von allen Landesärztekammern anerkannt werden. In diesem Konzept gibt es eine Analogie zu den schon seit vielen Jahren im klinischen Alltag fest etablierten Hygienebeauftragten Ärztinnen und Ärzten (siehe hierzu die entsprechende Empfehlung der KRINKO). Insgesamt sieht das Curriculum dieses Kurses eine Fortbildung über 40 Unterrichtseinheiten à 45 min vor, die in zwei Teilen eines Basismoduls unterrichtet werden:

Weitere Informationen finden sich auf den Webseiten der DGPI

http://dgpi.de/paediatrie-spezifisches-fortbildungsangebot-im-bereich-abs

[1] Die hier verwandten Personen- und Berufsbezeichnungen sind, auch wenn sie nur in einer Form auftreten, gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

Publikationen zum Thema Antibiotic Stewardship in der Pädiatrie

An dieser Stelle werden Publikationen aus der Arbeitsgruppe Antibiotic Stewardship in der Pädiatrie der DGPI und ggf. auch Publikationen abgelegt, die aus der Zusammenarbeit im PÄDINESaar Netzwerk hervorgehen.